Langzeitstudie zum Erfolg unserer LARS-Therapie

Eine wissenschaftliche Langzeituntersuchung im Jahr 2003 über Erfolg und Nachhaltigkeit der LARS-Therapie bei ehemaligen Kindern und Jugendlichen, die 1989 und 1990 ihre Förderung im Löffler Institut beendet hatten, erbrachte den Nachweis, dass mit der LARS-Therapie eine Legasthenie bei Schulkindern dauerhaft behoben worden war.
Sie hatten zudem signifikant höhere Bildungsabschlüsse als der Bundesdurchschnitt erworben.

Nachfolgend werden die Ergebnisse der Langzeituntersuchung der Humboldt-Universität zu Berlin auszugsweise wiedergegeben.

Eine Befragung ehemaliger Kinder mit Lese-/Rechtschreibschwächen, wie sie ihren Schul-, Ausbildungs- und Berufsweg bewältigt haben, ist unwidersprechbar von Relevanz. Dies auch vor dem Hintergrund der gängigen Auffassung, dass eine Legasthenie nicht behebbar sei und die Betroffenen ein Leben lang unter gesellschaftlicher Benachteiligung zu leiden hätten. Bislang stehen empirische Daten zu einem solchen Fragenkomplex kaum zur Verfügung. Dies liegt an der Schwierigkeit, diese Untersuchungsgruppe ausfindig zu machen.

Anfang 2002 wurde ein Befragungsbogen entwickelt, der im September 2002 mit einem Begleitschreiben versandt wurde. Angeschrieben wurden jene ehemaligen Kinder (bzw. ihre Eltern), die wegen ihrer Schwierigkeiten, das Lesen und Schreiben altersgerecht und in der institutionell vorgesehenen Zeit zu erlernen, zwischen 1989 und Anfang 1992 eine Förderung in den genannten Instituten abgeschlossen hatten, also bis zu 14 Jahre nach ihrem Weggang. Die Auswertung der Fragebögen, nach einer Wartefrist für den Rücklauf und nach ihrer Anonymisierung, nahm einen Zeitraum von April 2003 bis Oktober 2003 ein.

Für die vorliegende Untersuchung stand die Klärung der folgenden Fragestellungen im Vordergrund:

  • Zum einen Fragen, die die Aspekte der Schul- und Berufsausbildung und letztendlich die Eingliederung in den Arbeitsmarkt beleuchten (Bildungsabschluss, Deutschnote im Abschlusszeugnis, Berufsausbildung, Arbeitslosigkeit).
  • Zum anderen wurde das aktuelle Leseverhalten der Befragten thematisiert.
  • Ein dritter Fragenkomplex schließlich beschäftigte sich mit der Erfahrung gesellschaftlicher Benachteiligung, der subjektiven Bewertung der eigenen Schriftsprachkompetenz sowie der Einschätzung des Selbstwertgefühls.

 

Da es sich um eine Kompletterhebung der aus dem Löffler Institut (ehem. Gutschrift Instituten) entlassenen Kinder aus den Jahren 1989 bis Anfang 1992 bei einer Beteiligungsquote von über 80 Prozent handelt, können die Befragungsergebnisse als signifikant gelten.

Wie kaum eine andere Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler mit unzureichenden Lese- und Schreibkompetenzen überdurchschnittlich beeinträchtigt in ihrer Schulkarriere und im Erreichen adäquater Schulabschlüsse. Institutionell vorgesehene Bildungsabschlüsse bedeuten jedoch Zugang zu beruflichen Positionen bzw. Ausschluss davon. Insofern spielen sie eine tragende Rolle in der Fundierung gesellschaftlicher Hierarchien und gesellschaftlicher Ungleichheiten. Je niedriger der Bildungsabschluss ist, desto höher ist die Gefahr, nicht ausreichend in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Je höher der Bildungsabschluss und je besser die Qualifikation, desto geringer ist das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben.

Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit lag der allgemeine Durchschnitt der Arbeitslosen bei 10,2 Prozent. Demgegenüber hatten Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen weit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt: Hier lag die Arbeitslosenquote bei nur 3,7 Prozent. Auf Grundlage von Studien (z.B. Esser & Schmidt 1993) ist davon auszugehen, dass Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwächen eher niedrigere Schulformen besuchen, auch dass sie eher handwerkliche Berufe ergreifen und in höherem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Die erfragten Schulabschlüsse der ehemaligen Kinder geben Aufschluss über ihre Lernbiografie. Keiner der Befragten war ohne einen Bildungsabschluss ins »Leben« getreten, 48 Prozent hatten einen Abschluss der Sekundarstufe 1 erworben, 52 Prozent einen Abschluss der Sekundarstufe II.

Diese Ergebnisse sind deutlich besser als vergleichende Angaben aus der Gesamtbevölkerung. Während laut Statistischem Bundesamt im Jahre 2000 von allen Personen über 15 Jahre, die Angaben zur allgemeinen Schulbildung gemacht hatten, rund 37 Prozent einen so genannten „höherwertigen“ Bildungsabschluss (Realschulabschluss, Fachhochschul- und Hochschulreife) erworben hatten, können von den Befragten mehr als doppelt so viele, nämlich 89 Prozent, einen „höherwertigen“ Abschluss vorweisen, davon 52 Prozent die Fachhochschul- und allgemeine Hochschulreife.

Beim erwachsenen Leser ist zwischen dem Lesen in der Ausbildung bzw. für den Beruf und dem freiwilligen Lesen in der Freizeit zu unterscheiden. Leseverhalten in der Freizeit: Hier gaben über 69 Prozent an, dass sie in ihrer Freizeit regelmäßig lesen, 13,3 Prozent schrieben bei der offen gestellten Frage nach ihrem Hobby, die sie also frei beantworten konnten, „Lesen“ auf.

Bejaht wurde diese Frage von 92 Prozent der Befragten und von 1 Prozent eindeutig verneint. Knapp 7 Prozent machten hierzu keine Angaben. (…)

Fast 99 Prozent schätzen ihr Selbstbewusstsein als „gut“ bis „sehr gut“ ein. (…)

Therapiezufriedenheit gilt in Befragungen u.a. als Messgröße, um den Erfolg einer therapeutischen Maßnahme zu erheben. Wenn solche Erhebungen allerdings zum Zeitpunkt der Entlassung von Kindern vorgenommen werden, sind ihre Ergebnisse zur Messung des eigentlichen Fördererfolgs mit anderen Variablen vermischt. Denn insbesondere bei lese- rechtschreibschwachen Kindern orientieren sich die Antworten auch an der Beziehung zu den Therapeuten und zur Einrichtung, da der Aufbau einer Vertrauensbeziehung in Fördermaßnahmen mit lese-rechtschreibschwachen Kindern von Bedeutung ist.

Für die vorliegende Befragung ist allerdings anzunehmen, dass letzte Variable nach einem Zeitabstand von 10 bis 12 Jahren nicht mehr wirksam ist und der Grad der Therapiezufriedenheit in der Rückschau als gültige Erfolgseinschätzung gewertet werden kann. In diesem Sinne stellt die Zufriedenheit mit der damaligen Förderung sicherlich ein zentrales Kriterium für die Qualität der Behandlung aus der Sicht der Betroffenen dar. Zufriedenheit kann also im Rahmen dieser Untersuchung tatsächlich als ein Indikator für die Ergebnisqualität betrachtet werden, die mit der LARS-Methode erzielt wurde.

Auf einer Rangskala von „schlecht“ bis „sehr gut“ gaben 93 Prozent der Befragten an, mit der Förderung im Institut „gut“ bis „sehr gut“ zufrieden zu sein, 5 Prozent sind nur „mäßig“ zufrieden.

„Kinder mit LRS sollten eine besondere Förderung erfahren. Wie man an den Ergebnissen der Befragung ehemaliger Legastheniker sehen konnte, lohnt es sich. Wenn 89 Prozent der Befragten einen höheren Bildungsabschluss (Realschulabschluss, Fachhochschul- und Hochschulreife) gegenüber 37 Prozent im Bundesdurchschnitt erzielten, dann gehen uns gesellschaftliche Ressourcen verloren, wenn sie nicht gezielt gefördert werden. Offensichtlich haben sie u.a. von einer Methode profitiert, der linguistischen LARS-Methode (Lautanalytisches Rechtschreib-System), die sich explizit von Trainings isolierter Teilleistungen oder gar schriftsprach-unspezifischer Trainings unterscheidet und im Rahmen eines streng strukturierten Schriftsprachaufbaus sowohl phonographische als auch grammatische Schriftkompetenzen aufbaut. Den Befragten wurden also kognitive Einsichten in das System Schriftsprache vermittelt.(…)“

Publikation zu LARS

Die Untersuchung ist veröffentlicht in: „Eine Legasthenie ist doch behebbar. Ergebnis einer Langzeitbefragung ehemaliger Legastheniker“. In: B. Hofmann, A. Sasse, „Legasthenie. Lese-Rechtschreibstörungen oder Lese-Rechtschreib-schwierig-keiten?“, S. 78–97, Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben, Berlin 2006